Gestern und heute haben mich meine verschlungenen Pfade mal wieder in unsere schöne Bundeshauptstadt geführt. Grund war dieses Mal ein vom Bundesverband „Sicherheitspolitik an Hochschulen angebotener Themenabend zu den “Deutsch-israelischen Sicherheitsbeziehungen in Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft“. Damit verbunden war die Vorstellung eines neuen Sammelbandes zu der angesprochenen Thematik. Dadurch steigert sich die Bibliografie zu dem Thema auf insgesamt sechs Werke, die in den letzten zehn Jahren erschienen sind.
Aber damit auch wieder weg von der Ironie, hin zur ernsthaften Beschäftigung mit der Problematik des Themenabends. Die Veranstaltung sollte eigentlich von einer Podiumsdiskussion leben und daraus sollte sich wahrer Content entwickeln. Dieses Vorhaben ging leider durchaus nicht auf. Vielleicht lag es gerade an der hochkarätigen Besetzung des Panels, wie es neudeutsch so schön heißt:
- Herr Dr. h.c. Johannes Gerster: Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und „Freund Jerusalems“ (ja, diesen Ehrentitel gibt es wirklich), nebenbei sitzt er für die CDU im Bundestag und macht sonst auch noch so Einiges
- Herr Ilan Bor: israelischer Gesandter des Staates Israel in Deutschland; er hat bereits einige eindrucksvolle Stationen in seiner Diplomatenkarriere hinter sich und war bereits Anfang der 1990er Jahre in Deutschland tätig
- Herr General a.D. Ephraim Lapid: ehemaliger Geheimdienstoffizier und Sprecher der israelischen Armee; u.a. war er führend an den Entscheidungen bezüglich der Entführung der israelischen Athleten bei den Olympischen Spielen 1972 in München eingebunden
- Herr Karl Mathias Klause: Stellvertretender Leiter des Referates Naher Osten, Asien, Afrika und Lateinamerika im Bundeskanzleramt
- Herr Dr. Yves Pallade (eigentlich nicht so wichtig, Erklärung folgt später): Direktor Foreign Affairs Network und Autor mehrer Bücher zur Thematik
Man erkennt also bereits aus den Namen (wobei ich natürlich nicht weiß, wieviel die euch nun sagen), dass der Abend durchaus hätte interessant werden können. Da allerdings der Moderator vollkommen überfordert schien und die Diskutanten sich nicht an ihre Vorgaben gehalten haben, scheiterte das Konzept und die Zielsetzung.
Jeder der fünf Personen sollte ein kurzes Anfangsstatement geben, was für diese fünf Personen im Endeffekt mal locker 1,5 Stunden gedauert hat… Dadurch war einer Fragerunde eigentlich der Gar ausgemacht. Die Beiträge der Redner waren allerdings, mit Ausnahme des Herrn Pallade, qualitativ sehr hochwertig. Pallade hingegen spielte den „Party Pupper“, wie er es selbst genannt hat, und präsentierte in einer zynischen und sehr verbitterten Art und Weise unmögliche Thesen, die er für sich wissenschaftlich – an Hand von 15 Interviews - erarbeitet haben will. Da kamen dann so Sachen raus wie: die deutsche Politik gegenüber Israel wäre lediglich heuchlerisch oder die Bundeswehr besteht zur überwiegenden Zahl aus Rechtsradikalen. Damit sollte auch geklärt sein, warum sein Name für mich nicht sooo sonderlich wichtig ist.
Herr Klause hat in der einzig richtigen Art reagiert und den Herrn gefragt, wo er sein wissenschaftliches Handwerk gelernt hätte. Der Mann ging gnadenlos unter unter seinen Mitdiskutanten, welche durchaus einen wichtigen Beitrag zur derzeitigen deutsch-israelischen Politik geleistet haben. Selbstverständlich konnte ich auch nicht alle Aussagen von ihnen teilen, aber vor allem Herr Bor hat mich sehr tief beeindruckt. Er hat in einer Klarheit geredet, die nichts zu wünschen übrig gelassen hat und hat massive Kritik an der Sanktionspolitik der Vereinten Nationen gegenüber dem Iran geübt. Für ihn ist diese Politik zu nachlässig. Auch darüber lässt sich selbstverständlich streiten. Bor hat letztendlich aber etliche Fragen aufgeworfen welche durchaus nicht so einfach zu beantworten sind, vor allem auch im Bezug auf die Haltung gegenüber Israel, der Shoa und dem Holocaust. ABER: er hat damit explizit nicht nur die Haltung der Deutschen angesprochen. Auch hat er sich sehr interessant zur Zwei-Staaten-Lösung geäußert und seine Gedanken zu einer möglichen zukünftigen weiblichen Premierministerin in Israel geäußert (er hält es für einen Beweis für den demokratischen und offen Charakter Israels)
Ein paar Knallköpfe, ohne Ahnung von der Thematik waren selbstverständlich auch im Publikum. Da fielen dann so Aussagen wie: „Geben Sie es doch zu, Israel versucht in Wahrheit den Iran auszulöschen“ oder „Was die Israelis mit den Araber machen, ist viel schlimmer als das was die Deutschen dem jüdischen Volk „angetan“ hat.“
Das waren aber gott sei dank wirklich nur zwei oder drei von vielleicht ca. 120 Anwesenden.
Was aber am interessantesten am ganzen Abend war, waren die Gespräche im Anschluss. Hier habe ich eine Mitarbeiterin des SPD-Bundesparteivorstandes kennengelernt, die mir überaus interessante Sachen über die internen Strukturen und Abläufe in der SPD erzählt hat. Desweiteren habe ich ein Mitglied des Vorstandes der deutsch-israelischen Gesellschaft kennen und schätzen gelernt. Dann habe ich mich ausführlich mit jemandem vom Bundespresseamt unterhalten, mit Leuten aus diversen Organisationen geredet und mich intensiv mit einem Studenten unterhalten, der in Deutschland und im Ausland jeweils einen BA gemacht hat. Das war v.a. interessant, um von ihm mal die Einschätzung zu bekommen, wie der deutsche BA gegenüber dem ausländischen qualitativ steht: leider kam der deutsche nicht allzu gut weg (wen wunderts).
Nebenbei habe ich im Gespräch mit ihm festgestellt, dass wir eine gemeinsame gute Bekannte haben. Schon witzig, wie klein die Welt doch sein kann.
Zum Abschluss des Abends waren wir dann in der „Newton Bar“, nem Berliner Szene-Bar/Lounge/Club. War sehr witzig, auch wenn ich mich standhaft geweigert habe 5 Euro für 0,33 Pils zu bezahlen oder einen Cocktail für billigstenfalls 10 Euro zu bestellen. Aber da wir draußen saßen – drin war kein Platz mehr – wurde es doch sehr schnell frisch und so bin ich mit ner Bekannten aus Mainz um ca. 1 in die Kaserne gefahren.
Ja, ihr habt richtig gelesen: ich durfte in der Kaserne nächtigen. Und zwar nicht in Stuben mit X Kadetten, sondern in der Offiziers-Unterkunft. Die Zimmer waren echt edel: Schreibtisch, Couch, großes Bett, eigenes Bad, zwei Sessel.
Da bereut man es ja schon fast, dass man nicht länger als 18 Stunden in Berlin bleiben kann.
Aber Berlin sieht mich in weniger als drei Wochen bereits wieder: da ist das nächste Seminar des BSH, dieses Mal zur neuen deutschen Afrika-Politik. Und wer sich jetzt frägt, wie ich mir das leisten kann: der BSH ist eine Unterorganisation des Reservistenverbandes; d.h.: die zahlen An- und Abreise und die Übernachtung. Doof ist nur, dass man um 8 die Zimmerschlüssel schon wieder abgeben muss: ausschlafen ist dann natürlich nicht drin.
Und was gibts in Erlangen Neues? Informiert mich mal