Berlin icke mag dir

 

Wie ich ja bereits in meinem letzten Eintrag zum Thema Berlin angekündigt habe, war ich die vergangenen zwei Tage mal wieder in unserer schönen deutschen Bundeshauptstadt. Ich muss sagen, mir gefällt es dort immer immer besser und irgendwie hab ich so das Gefühl, dass es mich dorthin mal für länger verschlagen wird…

 

Bei der Veranstaltung, welche ich dieses Mal besucht habe in Berlin ging es um die Frage: „Brauchen wir eine neue deutsche Afrikapolitik?“ Dieses Thema hat mich schon alleine deshalb interessiert, da ich von der deutschen Afrikapolitik relativ wenig weiß, außer das, was man bei der täglichen Zeitungslektüre mitbekommt. Deshalb habe ich mir sehr viel von der Veranstaltung versprochen.

Anlass für dieses Thema war die Ehrung des „Bundesverbandes Sicherheitspolitik an Hochschulen – BSH“ als einen der „365 Orte im Land der Ideen“. Die dafür vorgesehene Festveranstaltung verdeutlichte nochmals den Charakter des BSH und zeigte, dass auch Sicherheitspolitik an den Hochschulen relevant ist. Der Vertreter des Sponsors der Kampagne (Deutsche Bank) stellte zudem nochmals die Intentionen des Projektes vor.

 

Die bereits erwähnte Veranstaltung zur Afrikapolitik der BRD gliederte sich dann in Diskussionsreferate und eine offene Diskussionsrunde. Referenten waren zum einen Dustin Dehéz (da ich leider kein Programm mitgenommen habe, kann ich mich nicht mehr für die Richtigkeit der Schreibweise verbürgen…), der als Lehrbeauftragter am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin lehrt und zudem Mitglied der DIAS ist. Zum anderen referierte Frau Claudia Berke, welche die Entwicklungsprojekte der KfW-Entwicklungsbank leitet und koordiniert.

Beide Diskussionsreferate waren überaus interessant, wenngleich sie sich leider in ihrer Intention nicht wirklich voneinander unterschieden haben. Zwar vertrat Herr Dehéz die Ansicht Deutschland brauche eine neue Politik in diesem Bereich und Frau Berke widersprach ihm (ihrer Ansicht nach brauchen wir keine neue Afrikapolitik), aber beide kamen sehr schnell überein, dass es zumindest keiner vollkommenen Neuorientierung bedarf, sondern eine Vernetzung der bestehenden Strategien hergestellt werden muss (Dehéz) und es mehr Kohärenz in der deutschen Linie braucht (Berke).

Trotz dieser vermeintlichen Meinungsübereinstimmung kam es in der offenen Diskussionsrunde immer wieder zu interessanten Fragen und tief- sowie hintergründigen Antworten. Selbstverständlich gab es aber auch etwas „komische“ Fragen an die ReferentIn bzw. weniger sinnvolle Kommentare („ich bin erschüttert“, „wie kann man so etwas nur sagen“, etc).

Festzuhalten bleibt: Dustin Dehéz hat enorm polarisiert (und das meine ich überaus positiv!), während meiner Ansicht nach Frau Berke (evtl. auch wegen ihrer rhetorischen Schwächen und einer gewissen Scheu vorm Mikrophon) eher blass geblieben ist. Aber natürlich ist es auch schwer, als „Wirtschaftlerin“ politische Aussagen herauszustellen. Da tut sich der Wissenschaftler (und speziell der Politologe) weitaus leichter, vor allem auch, da er die Zukunft nicht vorher zu sagen braucht, später das Geschehene aber durchaus kritisch beleuchten kann (Dehéz). Von diesem Blickwinkel habe ich die Sache zuvor noch nie betrachtet, aber ich muss sagen, er liegt wahrscheinlich nicht so falsch mit dieser Aussage.

 

Aber auch an diesem Abend war es so, dass die informellen Gespräche vor und nach der eigentlichen Veranstaltung die interessanteren waren. Ich bin dieses Mal schon zwei Stunden eher aufgeschlagen in Berlin, um noch ein wenig bei den Vorbereitungen zu helfen. Dadurch hatte ich Gelegenheit auch vor der Veranstaltung bereits ein paar Worte mit einigen Leuten zu wechseln. Da war zum Beispiel ein Reservist (seinen Namen habe ich leider vergessen), der mir durchaus überzeugend die Gründe dafür näher gebracht hat, warum die Marine mit Bleistift und nicht mit Kugelschreiber schreibt. ;) Hochinteressant!

Beim anschließenden Empfang hatte ich dann ein überaus anregendes Gespräch mit Prof. Dr. Schössler (ich hoffe, auch ihn schreibt man so…) und seiner Frau geführt über RAF, das Politikinteresse der heutigen Studierenden und viele andere kleinere Themen. Dabei habe ich mal wieder gemerkt, dass meine Thesen eventuell doch gar nicht so falsch und wenig mehrheitsfähig sind…

 

Richtig witzig wurde der Abend aber erst durch die anschließende Abendgestaltung: Zwischenzeitlich waren Dustin Dehéz und ich zum „Du“ übergegangen und hatten einen Diskurs über Bush jun., Clinton, Obama und McCain geführt. Dabei haben wir durchaus Gemeinsamkeiten festgestellt. Überhaupt muss ich sagen, dass Dustin einen verdammt guten Humor hat. Zyniker sind doch die besseren Menschen. Vor allem hat mir Dustins Weg zur Sicherheitspolitik „Mut“ gemacht: er kam durch einen Mentor zur Sicherheitspolitik, und aus ihm wurde was. Vielleicht finde ich diesen Mentor auch noch und dann kann aus mir vielleicht doch noch etwas werden…

 

Aber damit endgültig zum gemütlichen Teil des Abends. Nachdem wir irgendwann die Landesvertretung Sachsen-Anhalt verlassen hatten, haben wir uns, wenn auch nicht alle auf demselben Weg, in die „BöseBubenBar“ aufgemacht. Das ist eine Lokalität in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Friedrichstraße. Der Wirt dazu war einfach ein Berliner Original. So stellt man sich einen echten Berliner vor. Um 23.55 hat er dann die Eingangstüre abgeschlossen und dann ging der Spaß erst richtig los. Er kam dann zu uns und hat angefangen mit uns zu diskutieren und wollte wissen, was wir denn „für ein Haufen“ wären. Insgesamt war Christian (der Wirt) sehr nett. Allerdings haben wir das Lokal nicht wie „geplant“ um 1 und nicht mit nur einem Bier im Blut verlassen, sondern erst um ca. 2.15 Uhr. Bezahlt habe ich nichts, wobei ich (und wahrscheinlich auch die anderen) nicht weiß, ob das Christian gezahlt hat, was überhaupt berechnet wurde und was Roby (ein Jurist, der ebenfalls mit von der Partie war) bezahlt hat. Da wir alle (auf Grund eines schnell sich leerenden Buffets) etwas wenig gegessen hatten, dachten wir, wir wollen noch was essen… Gut, was macht man da? Man geht zur benachbarten Currywurst-Bude und spachtelt (auf Einladung von Dustin – hiermit sei dir nochmals herzlich gedankt!) Currywurst mit Fritten. Sehr lecker, aber morgens um kurz vor 2.30 Uhr durchwegs ein Abenteuer.

Danach musste erstmal ein Taxi herhalten, um uns in die mittlerweile lieb gewonnene Julius-Leber-Kaserne zu bringen. Auch diese Fahrt war mega spaßig: „“Ick fahr etz zum Kurt-Schumacker-Platz, wo stegsden du eigentlich?“, brüllte der Taxifahrer in sein Handy, während er fuhr, schaltete und an seiner Klimaanlage herumdrückte. Seiner Meinung nach sind „die ganzen Bundespresse-Futzis alles Langweiler“. Was sollte man da noch hinzufügen?

 

Aus der Schilderung kann überhaupt nicht hervorgehen, welchen Spaß ich mal wieder hatte, aber ich musste das trotzdem loswerden…

 

Letztendlich waren wir um 3.10 in der Kaserne. Um 6.45 bin ich dann schon wieder aufgestanden, weil wir (Dustin, Johanna und ich) uns für 7.30 zum Frühstücken verabredet hatten. Doof war nur, dass die Bäckerei in der wir frühstücken wollten, erst um 8 aufmachte… Aber das wussten wir natürlich vorher ned.

Johanna eilte dann irgendwann zu ihrem Zug und Dustin und ich folgten ihr nach ca. 10 Minuten auch zum Hbf Berlin. Dort haben wir es uns dann erstmal in der DB Lounge gemütlich gemacht. Ich muss sagen, daran könnte ich mich echt gewöhnen: Alle möglichen Zeitungen, sehr viel Ruhe und alle Getränke umsonst. Danke nochmal an Dustin, dass er mich mit reingenommen hat (der Zutritt ist dazu selbstverständlich nicht für jeden möglich). Als Dustin dann weg musste bin ich allein dort geblieben und hab das Angebot an Zeitungen noch weiter genossen. Ich wollte ja noch warten, da ich mich für 12 Uhr zum Mittagessen mit Herrn Dr. Münter verabredet hatte. Ab ca. 10.30 hab ich dann aber auch erst mal mir ein wenig was von Berlin angeschaut und bin dann in der Sonne vorm Reichstag gesessen. Traumhaft bei wolkenlosem Himmel!

Kurz vor 12 rief mich dann Münter an, der mir schon angedeutet hatte als wir unser Treffen vereinbart haben, dass es durchaus passieren kann, dass er den Termin nicht halten kann, wegen wichtiger Ereignisse. Aber (Gott sei Dank) musste der Termin nur um 15 Minuten verschoben werden: „Der Friedensnobelpreis ist uns dazwischen gekommen“ war die Begründung.

Wir haben uns dann im Jakob-Fischer-Haus Süd getroffen und sind ins Casino desselben Hauses zum Essen gegangen. Aber bis man mal reinkommt: Sicherheitskontrollen wie am Flughafen und Besucherausweis standen zwischen mir und dem (großzügigen) Foyer.

 

Das was ich heute von Münters Job kennengelernt habe, hat mich sehr begeistert. Immer wieder klingelte das Handy und er musste irgendetwas klären bzw. abstimmen mit seinen Kollegen. Ich bin der Auffassung, dass dieser Job für Münter der richtige ist. Der Vergleich zu seiner Erlanger Position hinkt zwar etwas, aber ich glaube die Arbeit bei Fritz Kuhn macht ihm ehrlich Spaß…

Netter Nebeneffekt des Mittagessens (es gab exzellenten Fisch mit zwei Beilagen für 2,77€) war, dass ich die Pressesprecher der Grünen- und der CDU/CSU-Fraktion kennengelernt habe.

 

 

Alles zusammen lässt sich also mal wieder sagen: es hat sich gelohnt nach Berlin gefahren zu sein.

 

Kennt ihr eigentlich das Gefühl einen Augenblick zu erleben und zu wissen, das könnte etwas Entscheidendes gewesen sein? Als ich heute so durch Berlin geschlendert bin und im Jakob-Fischer-Haus war dachte ich mir: hier willst du arbeiten, da gehörst du hin. Bisher hatte ich das Gefühl erst einmal: das war als ich das erste Mal in Erlangen war. Noch an diesem Tag hab ich mich entschieden nach Erlangen zum Studium zu gehen, obwohl ich ja eigentlich schon fast in München eingeschrieben war… Ich habs nie bereut nach Erlangen gegangen zu sein. Bin mal gespannt, ob ich auch tatsächlich irgendwann mal in Berlin lande…

 

 

Jetzt schaue ich mal, was mich „in der Heimat“ Erlangen so alles erwartet!

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